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Aus Niederlagen lernen:
Angie, wie machst du das?

Angelique Kerbers Rat: Es lohnt sich, positiv mit Verlieren umzugehen. Fehler als Hinweise zu verstehen, statt sich von ihnen runterziehen zu lassen. Aber, bevor gar nichts mehr geht, starte lieber neu als weiter mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen.

Was womöglich die meisten Menschen, die mir beim Spielen zuschauen, vergessen: Auch als erfolgreiche Spielerin verliert man oft. Und ganz ehrlich, man gewöhnt sich nicht dran. Am Ende bin ich im Tennis so weit gekommen, weil ich ehrgeizig bin und den Wettkampf liebe. Jede Niederlage ist im Moment des Verlierens bitter. Dann ist es auch egal, wie weit ich im Turnier gekommen bin, wie knapp das Match vielleicht ausgegangen ist, oder wie gut ich gespielt habe.

Tatsächlich ist meine Karriere anders verlaufen, als ich mir das als junge Spielerin vorgestellt hatte. In meiner Jugend habe ich meistens alle älteren Spielerinnen geschlagen, jedes Turnier gewonnen. Mit 14 habe ich mir ausgemalt, wie es wäre, in ein paar Jahren meine ersten Grand Slams zu gewinnen. Doch der Beginn meiner Profikarriere war hart, ständig bin ich in der ersten Runde rausgeflogen. Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen, Schluss zu machen mit dem Sport.

Aber irgendwann habe ich angefangen, zwei Dinge zu verstehen: Erstens, du darfst den Spaß am Spiel nicht verlieren und zweitens, jede Niederlage ist eine Erfahrung – eine Erfahrung die dich auf deinem Weg ein Stück weiter bringt. Heute verstehe ich Niederlagen als wichtige Bausteine für meinen Erfolg. Weil ich nur durch sie erkennen kann, was ich noch verbessern muss.

Nach der Niederlage beginnt sofort die Analyse

Wenn ich ein Spiel verloren habe, setze ich mich noch am selben Tag mit meinem Team zusammen. Wichtig ist, dass sich keine negativen Gefühle manifestieren, deshalb besprechen wir das Match noch am gleichen Abend, weil es da auch noch emotional präsent ist. Mir gibt die genaue Fehleranalyse sofort einen positiven Push, weil sie mir die Möglichkeit gibt, mich weiterzuentwickeln. Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist, diese Einstellung auch umzusetzen, weil man sich selbst oft einen so großen Druck macht. Aber ich versuche einen Fehler als etwas zu sehen, was mir die Chance gibt, etwas zu verändern, wie eine Art Hinweis. Mit dieser Sichtweise habe ich es geschafft, einige meiner Schwächen in etwas Positives zu verwandeln.

Meine große Motivation ist es, einen Fehler nicht zweimal zu machen. Trotzdem weiß ich auch, dass ich nicht weiterkomme, wenn ich zu hart zu mir bin. Ich habe mein Ziel immer klar vor Augen, aber das heißt nicht automatisch, dass es beim nächsten Mal sofort perfekt läuft. Am Ende weiß ich, dass ich immer mein Bestes gebe. Aber du brauchst auch Geduld und einen langen Atem. Umso schöner sind dann die Momente, in denen alles zusammenkommt und du spürst: Jetzt bin ich da!

Auszeiten sind wichtig, um Kraft zu sammeln

Was mir wirklich am Herzen liegt, und das möchte ich weitergeben: Gerade dann, wenn etwas nicht so läuft, ist es auch wichtig, sich Auszeiten zu nehmen, um auch mal auf andere Gedanken zu kommen. Nur so kannst du wieder Kraft sammeln und mit etwas Abstand einen neuen Blick auf die Aufgaben bekommen, die vor dir liegen.

Ein Neustart erfordert immer Mut, denn es ist oft bequemer, einfach weiterzumachen, selbst dann, wenn dir klar ist, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann. Ich weiß, dass viele Menschen an diesem Punkt mit sich hadern, dafür muss man keine Profi-Sportlerin sein. Ich hatte 2017 kein leichtes Jahr und musste auch etwas Abstand und eine neue Sichtweise auf die Dinge entwickeln.

Wenn ich eins gelernt habe, dann dass der Wert meiner Person nicht davon abhängt, ob ich verliere oder gewinne. Mich hat diese Erkenntnis mental stärker und damit auch gesünder gemacht – und das wünsche ich dir auch.

Deine Angie

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